Ich bestimme was über mich im Netz steht! So dachte ich mir zumindest!
Vor gut zwei Jahren erhielt ich von einer Freundin per Email die Einladung zur Plattform wer-kennt-wen.de. Aufgrund meines Berufes, nämlich Fachinformatikerin, und meiner bis dahin schon gut sieben Jahre langen Tätigkeit in diesem Beruf und im Bereich Web, hatte ich starte Bendenken gegenüber dieser Seite an und schlug die „Einladung“ aus. Sehr schnell folgte allerdings die nächste Einladung, diesmal von einer anderen Person und dann noch eine und noch eine. Ich fühlte mich sehr genervt von den ständigen Einladungen in die virtuelle Welt und deren Social Networks, obwohl ich Einladungen im realen Leben und die damit verbundene Pflege meines sozialen Netzes sehr gerne habe! Immer wieder musste ich mich also rechtfertigen und erklären was denn eigentlich mein Problem mit dieser Seite ist. Man könne sich dort doch mit Freunden austauschen, Freundschaften wieder beleben und alte Klassenkameraden wieder finden oder Interessensgruppen gründen und sich dort zu einem bestimmten Thema austauschen. Und was den daran schlecht wäre, wurde ich gefragt. Ich antwortete eigentlich immer dasselbe, nämlich das ich einfach keine „öffentliche“ Person werden wolle!

Von Berufswegen weiß ich nun einmal was so alles möglich ist im Internet und wie geschützt Daten dort wirklich sind. Nämlich im Grunde genommen gar nicht! Wenn man will kann man an alles heran kommen und selbst „gelöschte“ Daten sind irgendwo noch auf irgendeinem Server als Datensatz vorhanden. Das Internet vergisst nichts! Selbst Internetseiten aus dem Jahr 1998 die ihrerseits schon seit 2003 nicht mehr online sind, können noch in einem online Webarchiv aufgerufen werden. Alles was einmal veröffentlicht wurde existiert irgendwo als 1 und 0 und bleibt auch existent und für alle öffentlich zugängig. Und nur die Tatsache, dass die meisten nicht wissen wie man diese Daten herankommt, machten meine Bedenken, damals wie heute, nicht geringer.

Da man aber im Grunde genommen aber auch nur etwas kritisieren sollte über das man sich auch wirklich ein Bild gemacht hat, habe ich mich dann aber letztlich doch angemeldet. Nur Namen, Geburtstag (ohne Jahr) und mein Geschlecht angegeben. Kein Foto, nichts persönliches. Und ich suchte auch nicht nach Freunden und Bekannten um diese dann alle als „Freunde“ in meiner Liste zu haben. Eigentlich wollte ich mich nur informieren! Doch so richtig wurde das nichts, denn trotz meiner spärlichen Angaben wurde ich „gefunden“. Jetzt wurde ich nicht mehr mit Einladungen genervt sondern mein Email-Postfach wurde mit Freundschaftsansfragen gefüttert. Und wieder Diskussionen. Diesmal warum ich kein Bild habe und man nichts über mich erfährt! Meine Antwort? Genau wie zuvor auch, ich will nicht öffentlich werden. Wer mich wirklich kennt, die Seite heißt ja nun mal „wer-kennt-wen“, weiß wie ich aussehe, auch ohne Bild. Weiß wie alt ich bin und kennt auch mehr oder weniger persönliches von mir. Und bei allen wo dies nicht der Fall ist, hat es wohl seinen Grund.

Soweit so gut könnte man sagen. Ich war angemeldet und hatte doch nichts von mir preisgegeben! Perfekt, dachte ich! Weit gefehlt, denn ich hatte nicht mit meinen virtuellen „Freunden“ gerechnet. Klassenkameraden die ich seit dem Abschluss nicht mehr gesehen hatte, ehemalige Arbeitskollegen und frühere Freunde wo die Freundschaft sich „verlaufen“ hat. Jetzt hatte ich bewusst, in voller Absicht kein Foto online und doch war ich plötzlich in einem Social Network bildlich vertreten. Auf Klassenfotos, auf Bildern von Geburtstagparty und Klassentreffen. Meine „Freunde“ die offensichtlich eine andere Einstellung zu Social Networks haben, stellten diese online. Nicht etwa nach Rücksprache mit mir, sondern einfach so. Waren ja IHRE Bilder auf IHRER Seite, warum also nachfragen?! Sie hatten die Bilder hochgeladen und mein Profil darauf verlinkt, so dass jeder der sich mein Profil anschaute auch direkt zu diesen Bildern gelangte. Es war keine peinlichen Bilder, aber es ärgerte mich trotzdem wahnsinnig. Ohne mein Einverständnis, gegen meinen Willen. Bilder von mir im Netz, genau das war es doch was ich NICHT wollte! Hier kam mir dann aber wieder mein Beruf zu gute und so teilte ich all meinen digitalen „Freunden“ mit Drang zur Foto-Publizistik mit, dass es das „Recht am eigenen Bild“ gebe und ich es im Gegensatz zu ihnen kennen würde und die Konsequenz daraus wäre, dass die Bilder die mich zeigen umgehend zu löschen seien. Natürlich zog das nicht bei jedem, aber dafür gibt es ja den Seitenbetreiber. Dieser ist natürlich für die Inhalte seiner Seite verantwortlich, Social Network und Eigenverantwortung der Mitglieder hin oder her. Und er will alles nur keine schlechte Presse bzw. Ärger. Fakt war die Seite wer-kennt-wen.de veröffentlichte Bilder mit meinem Konterfei, abgelichtet auf PRIVATEN (das ist wichtig!) Veranstaltungen und dazu noch OHNE meine Genehmigung. Die Folge war, die Bilder verschwanden! *1
Meine Ordnung war wieder hergestellt!

Oder eben auch nicht! Denn „Freunde“ können nicht nur Bilder veröffentlich, schlimmer noch! Sie können Texte in Gästebüchern, Pinnwänden oder Blogs verfassen! Und da sieht die Sache ganz anders aus, dafür gibt es kein Gesetz und so kann man plötzlich Privates über sich auf Profilen lesen wo es eigentlich nichts zu suchen hat!
Ich hatte mir überlegt mich abzumelden. Es war genau das eingetreten was ich absolut nicht wollte. Infos und Bilder über mich im World Wide Web. Aber was nützt es wenn ich mich abmelde, wo doch die anderen diese Infos ins Netz gestellt haben und nicht ich? Nichts! Absolut nichts! Im Gegenteil ich musste und angemeldete bleiben um wenigstens ein bisschen Kontrolle zu haben!

Und ich bin es immer noch. Angemeldet. Mit Bild, aber immer noch ohne Infos!

Social Networks – ein ganz klarer Fall! Kontrolle und Datenschutz unmöglich, denn es liegt nicht nur an jeder dort angemeldeten Person selbst was über sie oder ihn bekannt wird, sondern auch oder vielleicht vor allem an den (digitalen) Freunden die jeder dort hat.

*1 Anmerkung: Mittlerweile muss man auf der Seite wer-kennt-wen.de die Rechte an den im Profil online gestellten Bildern bestätigen und es ist möglich das Verlinken auf Fotos zu untersagen.

Jetzt habe ich einen Blog und weiß noch gar nicht was ich damit soll! Aber bis nächste Woche werde ich es wohl wissen.